Österreichs Handel macht Sichtbarkeit zur Führungsaufgabe


Wer in der Vorauswahl der KI-Agenten fehlt, wird nicht gekauft. Handelsentscheider:innen diskutierten beim DMVÖ mit Premedia, was jetzt zu tun ist.

Presseinformation

Wien, 15. September 2026

Wer in der KI nicht vorkommt, verliert

Am 14. September luden der Dialog Marketing Verband Österreich (DMVÖ) und der Customer-Experience-Spezialist Premedia rund 30 Entscheider:innen aus der Handelsbranche zum Abend „KI kauft. Bist du bereit?“ in die Wiener Innenstadt. Die Ausgangslage ist unbequem: Immer mehr Kaufentscheidungen fallen nicht mehr in der Suchmaschine, sondern im KI-Assistenten. Wer dort in der Vorauswahl fehlt, existiert für die Kund:innen nicht mehr.

Hochkarätiger Austausch auf Augenhöhe

Der DMVÖ und Premedia haben für diesen Abend bewusst auf eine kleine, hochkarätig besetzte Runde gesetzt: 30 Plätze nur auf Einladung am Hof 8 mitten in Wien. Gekommen sind CMOs, Digital- und eCommerce-Verantwortliche sowie Geschäftsführer:innen aus dem österreichischen Handel. Vor zwei Jahren galt KI-Sichtbarkeit noch als Spezialfall der Suchmaschinenoptimierung, heute reservieren dafür Geschäftsführungen einen ganzen Abend. Begrüßt wurde die Runde von Ulrike Kittinger, Vorstandsmitglied des DMVÖ, und Alexandra Vetrovsky-Brychta, Präsidentin des DMVÖ.
Die Fokusthemen des Abends drehten sich darum, was Händler:innen konkret tun müssen, damit sie in der Vorauswahl der Agenten nicht verschwinden, wie wichtig eine klare KI-Strategie ist und wie sehr das gesamte Unternehmen davon betroffen ist.

Österreichs Handel vor der Agenten-Frage

Den inhaltlichen Auftakt machte Martin Sprengseis-Kogler, Managing Partner bei bluesource und Co-Founder von P19 Payment Pioneers, mit einer Einordnung, wo der österreichische Handel im internationalen Vergleich aktuell steht. Seine Entwarnung vorweg: Die teure Arbeit ist bereits erledigt, nur eben von anderen. So haben Visa, Mastercard, Google, Stripe und Amazon die Infrastruktur für agentenbasiertes Einkaufen schon gebaut. Der österreichische Handel muss sie nicht finanzieren, sondern nur den Anschluss legen und das koste weniger als eine mittlere Weihnachtskampagne.
Heikel sei vor allem, dass sich Untätigkeit nicht bemerkbar macht. Wer im Agenten-Kanal nicht auftaucht, bekomme weder eine Fehlermeldung noch einen erklärbaren Umsatzeinbruch. Schon heute fließen laut Sprengseis-Kogler 47 Prozent der österreichischen Online-Ausgaben ins Ausland, und einer Analyse von Strategy& und PwC zufolge könnten bis 2030 bis zu 15 Prozent des europäischen Onlinehandels über KI-Agenten laufen. „Unsichtbarkeit im Agenten-Kanal ist die Default-Einstellung. Sie passiert automatisch, wenn man nichts tut“, so Martin Sprengseis-Kogler.

KI-Sichtbarkeit als neuer Wettbewerbsfaktor

Wie sich Sichtbarkeit in KI-Systemen tatsächlich messen lässt, zeigte im Anschluss Markus Zimmer, Gründer und Geschäftsführer von BuzzValue und AION Research, anhand eigener Auswertungen. Sein Ausgangspunkt: ChatGPT und vergleichbare Systeme sind zu einflussreichen Einkaufsberatern geworden und entscheiden mehr denn je über den Erfolg einer Marke, noch bevor Kund:innen überhaupt eine Firmenwebsite besuchen.

Wer nicht genau wisse, was ChatGPT und Co. über das eigene Unternehmen erzählen, überlasse Umsatz und Marktanteile kampflos der Konkurrenz, so Zimmer. KI-Sichtbarkeit werde damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Als Grundlage, um sie gezielt zu verbessern, empfahl er regelmäßige KI-Audits und ein kontinuierliches Monitoring.

 Content-Strategien für KI-Agenten

Was das für die tägliche Arbeit im Handel bedeutet, führten Lisa Reith, Director Market Retail, und Manuel Holzer, Product Owner, von der Media Experience Platform bei Premedia, gemeinsam aus. Ihr zentraler Punkt: Die meisten KI-Tools liefern zwar gute Einzelbilder, lösen aber den Prozess rundherum nicht. Maximale Ersparnis entsteht deshalb nicht durch einzelne Werkzeuge, sondern durch einen skalierbaren End-to-End-Ansatz, der alle Schritte der Content Supply Chain mitdenkt. „Content für KI-Agenten zu bauen, heißt nicht, mehr zu produzieren, sondern strukturierter zu arbeiten. Es geht nicht um das einzelne bessere Bild, sondern um den Prozess dahinter, der KI-Produktion und menschliche Kontrolle sinnvoll verbindet“, erklärte Lisa Reith.

Fazit und Ausblick

„Wenn künftig ein Agent die Kaufentscheidung trifft, nützt die schönste Kampagne nichts, wenn das Sortiment darin gar nicht vorkommt. KI wirkt nur mit klaren Vorgaben, klaren Zielen und einem Masterplan. Das ist eine Führungsaufgabe, keine IT-Frage. Wer jetzt nicht reagiert, verliert den Anschluss“, fasste Ulrike Kittinger, Vorständin DMVÖ, den Abend zusammen.

Das Event in Bildern

Fotocredit:  © Niklas Schnaubelt

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