Roundtable zu Corporate Influencern: Vom spontanen Posten zum strategischen Programm


Beim geschlossenen DMVÖ Roundtable in Kooperation mit Virtual Identity tauschten sich rund 20 Entscheider:innen aus Marketing, Kommunikation, Employer Branding, Vertrieb und HR über den strategischen Aufbau von Corporate Influencer Programmen aus.

Viele Unternehmen haben einzelne Mitarbeitende, die bereits aktiv auf Social Media posten. Was häufig fehlt, ist die Strategie dahinter. Beim geschlossenen DMVÖ Roundtable in Kooperation mit der Digitalagentur Virtual Identity tauschten sich rund 20 Entscheider:innen aus Marketing, Kommunikation, Employer Branding, Vertrieb und HR darüber aus, wie Corporate Influencer Programme strukturiert aufgebaut werden und kamen zu einer klaren Erkenntnis: Der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist jetzt.

In Zeiten von KI-generierten Inhalten und „AI Slop“ wird Orientierung zur knappen Währung. Corporate Influencer Programme (CIP) gelten als strategisches Marketing-Instrument, um in diesem Umfeld Sichtbarkeit, Vertrauen und Reichweite aufzubauen, weil authentische Inhalte von echten Expert:innen genau dort Wirkung entfalten, wo Menschen nach Orientierung suchen. Doch viele Programme scheitern nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung. Beim DMVÖ Roundtable am 21. Mai 2026, ausgerichtet gemeinsam mit Partner Virtual Identity, stand deshalb nicht die Inspiration im Vordergrund, sondern der ehrliche Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe.

Wie startet man: Rahmen geben oder Freiheit lassen?

Die Einstiegsfrage zog sich durch die gesamte Runde: Wie viel Struktur braucht ein CIP, wie viel Freiraum verträgt es? Schnell zeigte sich, dass es kein One-size-fits-all gibt. Einig waren sich alle Teilnehmer:innen in der Erkenntnis, dass HR und Marketing in diesem Bereich eng zusammenarbeiten müssen. Silodenken bremst Programme aus, bevor sie überhaupt Wirkung entfalten können. Empfohlen wurde ein klares Setup mit Kernteam, Soundingboard und definierten Verantwortlichkeiten, ergänzt um hybride Modelle, etwa Ghostwriting-Support oder die Möglichkeit, dass Vorstände und Mitarbeitende auch während der Arbeitszeit Content produzieren.

Was wirklich wirkt: Authentizität und Struktur

Inhaltlich greift am stärksten, was authentisch ist. Storytelling schlägt jede polierte Kampagnenbotschaft, allerdings nur dann, wenn die beteiligten Personen ein echtes Grundinteresse mitbringen. Erfolgreiche Programme arbeiten deshalb mit gezielten Incentives: Weiterbildungen zu Personal Branding und Videoschnitt, positive Erlebnisse, interne Auszeichnungen und Evergreen-Content-Pakete, die Corporate Influencern den Einstieg erleichtern.

„One size fits all gibt es bei Corporate Influencer Programmen nicht. Was wir in der Runde immer wieder gehört haben: Es braucht ein Kernteam, ein Soundingboard und vor allem die Zusammenarbeit von HR, Kommunikation und Marketing, idealerweise inklusive Betriebsrat, IT und Legal. Wer in Silos denkt, scheitert“, betont Michael Schmidt, Creative Director bei Virtual Identity.

Zahlen, Risiken und Governance

Auch die wirtschaftliche Seite kam auf den Tisch. Ein virales Video eines Mitarbeiters kann einen Mediawert von rund 100.000 Euro erzeugen. In vielen Fällen mehr, als ein Unternehmen für sein gesamtes Corporate Influencer Programm budgetiert. Gleichzeitig brauchen Programme differenzierte KPIs, die Erfolgskriterien für HR und Marketing sind nicht dieselben. Diskutiert wurden zudem heikle Themen: Wie geht man mit Vergleichen unter Peers um? Wer übernimmt Verantwortung, wenn Inhalte schiefgehen? Und wie wird der Übergang gestaltet, wenn ein Corporate Influencer das Unternehmen verlässt?

„Posten allein ist noch kein Corporate Influencer Programm. Wer jetzt strategisch startet, hat einen klaren Vorteil, denn der Markt ist noch offen genug, dass Strukturen und Haltung wirklich den Unterschied machen. Genau diesen Austausch wollten wir mit dem Roundtable ermöglichen“, so Vivienne Nieuwenhuizen, Geschäftsführerin des DMVÖ.

Fazit: Reflexion als eigentlicher Hebel

Der eigentliche Wert solcher Formate liegt für die Teilnehmer:innen weniger in Hochglanz-Cases als in der ehrlichen Reflexion: Was hat funktioniert, was nicht und welche Entscheidungen würde man heute anders treffen? Der DMVÖ wird das Thema Corporate Influencer auch in den kommenden Monaten weiterverfolgen.